Kosmetotextilien: Erotisierende Bettbezüge und Strümpfe gegen Cellulite

Erstaunte Blicke erntet diese Bettwäsche mit Sicherheit: Seit Herbst hat eine französische Kaufhauskette Betttextilien aus erotisierender Baumwolle im Regal. Gewürzdüfte und ätherische Öle wie Ylang-Ylang haften in Mikrokapseln im Stoff und regen angeblich zu intensiverem Sex an, so behauptet zumindest das herstellende Chemieunternehmen. 50 Prozent aller Paare, die sich in einer kontrollierten Versuchsreihe in den so behandelten Laken liebten, waren danach befriedigter als in der gewohnten häuslichen Pfuhl.

Die Bettwäsche ist der letzte Trend der Kosmeto-Textilien-Industrie. Kombiniert werden aber hauptsächlich Kleidung und Kosmetik, ob als Creme oder Parfum, und das in immer ausgefalleneren Varianten. Viel wird hier probiert und auch wieder verworfen, wenn sich die Konsumenten nicht überzeugen lassen: Jeans mit Erdbeerduft, Anti-Cellulite-Strümpfe oder kühlenden Sport-T-Shirts.

Der Massenmarkt für Erotikbettwäsche existiert (zumindest bisher) nicht. Verkauft werden vielmehr kosmetikveredelte Strümpfe und Socken. Von Aloe Vera bis Jojoba reicht die Liste der gängigen Beschichtungen, Gingkoextrakte helfen gegen Flugthrombosen, und der Hoffnungsmarkt schlechthin ist die Anti-Cellulite-Strumpfhose.

Die Produkte gegen die allgegenwärtige Orangenhaut, eine Paradefall für sinnhafte Kosmetik in Textilien, sind derzeit am gefragtesten. Statt jeden Tag Zeit mit dem Eincremen von Beinen und Po zu verschwenden, überlässt man die Pflege der unschönen Hautdellen passend ausgerüsteten Strumpfhosen, die bei jeder Bewegung winzige Mengen von Wirkstoffen aus Mikrokapseln an die Haut abgeben und verstreichen. Nach einigen Wochen konsequenter Tragezeit ließen sich messbare Verbesserungen am Oberschenkelumfang feststellen, so die Hersteller in den von ihnen in Auftrag gegeben und auch finanzierten Studien. Unabhängiges wissenschaftliches Material ist hingegen rar, und kompetente Wissenschafter bleiben skeptisch. Genauso wenig die gewöhnliche Kosmetik Cellulite bekämpfen kann, darf frau sich auch bei den Kosmetika in der Kleidung keine Aufhebung von Naturgesetzen erwarten.

Im Unterschied zu herkömmlichen Schönheitspflegeprodukten werden die Textilveredelungen nicht von Regelungen und Gesetzen erfasst, der Markt wird ausschließlich durch die Nachfragequote der Konsumenten reguliert. Dass sich abgesehen von Strümpfen und Socken sehr wenig lange am Markt hält, kompensieren die Hersteller mit der Entwicklung von immer neuen Produkten und der Erforschung zusätzlicher Anwendungsbereiche. Der neueste Hoffnungsmarkt sind Textilien zum Sonnenschutz und zur Sonnenpflege, in dem die Resultate der Klimaerwärmung und des Ozonlochs endlich für stabile Umsätze sorgen sollen.